Autofahren im Alter: wann Senioren das Auto stehen lassen sollten

Autofahren im Alter ist ein Thema, das polarisiert. Für viele Senioren bedeutet das eigene Auto Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit. Für andere sind sie der Schrecken der Straße. Sie sehen schlechter, reagieren langsamer und provozieren mehr Unfälle. Risiko Senior am Steuer – stimmt der schlechte Ruf?
Dieser Artikel erklärt Ihnen, warum Autofahren im Alter überhaupt ein Problem darstellt und welche Anzeichen darauf hindeuten, dass man seinen Führerschein eventuell abgeben sollte. Außerdem wird geklärt, was man tun kann, um im Alter körperlich und geistig fit zu bleiben und welche alternativen Mobilitätskonzepte im Alter es gibt.

Warum stellt Autofahren im Alter ein Problem dar?

Viele Senioren sind auf sich alleine gestellt und benutzen regelmäßig ihr Auto. Besonders in ländlichen Gebieten gibt es oft keine andere Möglichkeit, Einkäufe, Arzttermine oder Besuche zu erledigen. Denn die öffentlichen Verkehrsmittel fahren entweder sehr mäßig oder gar nicht. Auch in der Stadt greifen viele Senioren mit körperlichen Einschränkungen gerne auf das Auto zurück, denn zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad oder Bus fahren stellt sie oft vor Hindernisse.

Doch mit fortgeschrittenem Alter steigt das Risiko, Autounfälle zu produzieren. Unsere Sinne werden schwächer, unser Seh- und Hörvermögen sowie unsere Reaktionszeit nehmen ab. Dies führt zu einem eingeschränkten Fahrvermögen. Daten des statistischen Bundesamtes zeigen, dass über 65-jährige oft die Hauptschuld an Unfällen tragen. Häufig fahren Senioren schon seit Jahrzehnten Auto, und der Alterungsprozess setzt schleichend ein. Nur ungern gestehen wir uns ein, eine Tätigkeit, die wir seit Jahrzehnten ausführen, nur noch beschränkt ausführen zu können. Selbstüberschätzung und erhöhte Unfallgefahr sind die Folge.

Wenn man den demographischen Wandel betrachtet, so werden wir in Zukunft mehr Senioren haben, für die Autofahren im Alter zum Problem wird. Das klassische Familienbild löst sich auf. Selten leben mehr als zwei Generationen in einem Haushalt. Immer weniger Familienangehörige haben Zeit, sich um die ältere Generation zu kümmern. Unserer Gesellschaft wird immer älter, und öfters sind Senioren auf sich alleine gestellt. Ein Auto wird benötigt, um Erledigungen zu machen. Die Problematik Autofahren im Alter wird in Zukunft noch zunehmen.

Wann sollte man Autofahren im Alter unterlassen?

Doch ab wann ist man körperlich soweit eingeschränkt, dass man seinen Führerschein abgeben sollte?

Autofahren im Alter- wann sollten Sie die Schlüssel abgeben?

Manchmal ist es sinnvoll, den Schlüssel für sein Auto abzugeben. Vielen Dank an Negative Space für das Bild (©Negativ Space/www.pexels.com)

Wenn Sie einmal den Führerschein gemacht haben, so ist dieser auch, sofern er nicht entzogen wird, ein Leben lang gültig. Es gibt in Deutschland keine verpflichtende medizinische Fahrtauglichkeits-Tests oder Regelungen, ab welchem Alter das Autofahren unterlassen werden sollte. In anderen Ländern ist dies längst Pflicht. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Schließlich kann man nicht alle Senioren über einen Kamm scheren. Es gibt Rentner, die mit 85 körperlich und geistig fit sind, und andere Menschen, die mit 50 in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ob jemand in der Lage ist, im Alter Autozufahren, muss individuell entschieden werden. Ein gesetzlich vorgegebener medizinscher Test ab einem bestimmten Alter wäre aber durchaus hilfreich bei dieser Entscheidung.

Oft merken Sie es jedoch selbst, dass etwas nicht im Reinen ist. Doch es sich auch einzugestehen, dass man körperlich eingeschränkt ist und nicht mehr Autofahren sollte, ist ein schwieriger Schritt. Anzeichen dafür sind:

  • Unsicherheitsgefühl beim Autofahren
  • Vermeiden von stressigen Situationen wie nachts fahren, viel Verkehr
  • bereits kleinere Unfälle
  • beim Autofahren schnell in Stress kommen, den Überblick verlieren
  • eingeschränktes Seh- und Hörvermögen
  • körperliche Eingeschränktheit, z.B. langsame Reaktionszeit, Schulterblick nicht mehr möglich

Können Sie bei sich einige dieser Anzeichen erkennen, sollten Sie überlegen, sich einem freiwilligen medizinischen Test bei ihrem Arzt zu unterziehen. Schließlich wollen wir alle das Risiko, einen Autounfall zu verursachen und sich und andere zu gefährden so weit wie möglich eindämmen. Im Extremfall sollten Sie ihren Führerschein freiwillig abgeben.

Sich einzugestehen, dass das Autofahren aus Sicherheitsgründen unterlassen werden sollte, kann schmerzhaft sein. Immerhin geben Sie einen großen Teil ihrer Unabhängigkeit auf. In unserer Gesellschaft, die Werte wie Leistung, Jugend und Mobilität hochhält, fällt es besonders schwer einzuräumen, dass man nicht mehr in der Lage ist, Auto zu fahren. Fragen wie: Wie komme ich nun von A nach B? Was ist mit meinen sozialen Kontakten? Wie komme ich meinen Erledigungen nach? –müssen nun geklärt werden.

Kann man das Risiko – Autofahren im Alter – verringern?

Doch es gibt auch einiges, was Sie tun können, um im Alter körperlich und geistig fit zu bleiben. So können Sie die Risiken, die Autofahren im Alter mit sich bringen, minimieren und sich sicherer und entspannter auf den Straßen bewegen.

1. Seh- und Hörvermögen überprüfen

Ein gutes Sehvermögen ist äußerst wichtig für ein sicheres Autofahren. Schließlich soll ja niemand auf der Straße übersehen werden, ob in der Nähe oder weiter entfernt! Ein regelmäßiger Besuch bei ihrem Optiker ist dringend zu empfehlen. Stellen Sie sicher, dass Sie eine ordentliche Brille mit der für Sie geeigneten Sehschärfe tragen.

Aber auch das Hörvermögen ist essentiell für ein risikoreduziertes Autofahren. Denn Hupen, Sirenen und andere Verkehrsteilnehmer müssen gehört werden. Lassen Sie ihr Hörvermögen bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt überprüfen. Im Zweifelsfalle sollten Sie sich bei einem Akustiker wegen eines Hörgerätes beraten lassen.



2. regelmäßiger Check beim Arzt

Der ADAC empfiehlt regelmäßige und freiwillige ärztliche Untersuchungen einmal im Jahr. Dort sollte ihr Reaktionsvermögen sowie ihre Beweglichkeit getestet werden. Im Straßenverkehr kann es oft zu Stresssituationen kommen, bei denen Sie schnell reagieren müssen. Ein zu langsames Reagieren kann zu Unfällen führen. Auch ihre Beweglichkeit, vor allem im Nackenbereich, ist wichtig für ein sicheres Autofahren. Sie sollten in der Lage sein, den Schulterblick zu vollziehen, um andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen und den sogenannten toten Winkel zu vermeiden. Andernfalls kann das zu einer großen Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer führen! Im ärztlichen Test kann festgestellt werden, ob und wie sehr ihre Beweglichkeit und ihr Reaktionsvermögen eingeschränkt sind.

3. körperlich und geistig fit bleiben

Um körperlich und geistig fit zu bleiben, können Sie jedoch einiges tun. Für das Trainieren ihrer Beweglichkeit beispielsweise können Sie sogenannte Gesundheitssportarten wie Yoga, Pilates oder Taiji ausprobieren. Diese sind auch für Senioren geeignet sind. Sie zielen auf ein harmonisches Zusammenspiel von Körper und Geist ab, die Tiefenmuskulatur und Beweglichkeit wird auf eine schonende Art und Weise trainiert.

Fit im Alter Ballsport

Mit Ballsportarten trainieren Sie ihr Reaktionsvermögen. Bildquelle: Vielen Dank an Matthias Zomer für das Bild (©Matthias Zomer/www.pexels.com)

Ihr Reaktionsvermögen können Sie ebenfalls durch sportliche Aktivitäten steigern, wie zum Beispiel durch Ballsportarten. Durch die Schnelligkeit des Balles werden Auge und Reflexe trainiert, Körper und Geist müssen flink zusammenarbeiten. Im Idealfall wird also körperliche und geistige Fitness zusammen trainiert.

4. das richtige Auto

Sie sollten sich auch Gedanken machen, welches Auto Sie nutzen. Es gibt seniorengerechte Autos, welche für Senioren besonders gut benutzbar sind. Dabei sollten Sie auf Einfachheit der Bedienung, leichter Ein-und Ausstieg sowie zugänglicher Kofferraum, Rundumsicht, Komfort, Nachtfahrten und Ausstattung achten. Der ADAC hat 2014 verschiedene Autos auf ihre Seniorentauglichkeit getestet, am besten schnitt der VW Sharan ab. Mit einem seniorengerechtem Auto kann das Autofahren im Alter um Einiges erleichtert werden.

5. Unsicherheit beim Autofahren: Fahrertraining

Wenn Sie zwar körperlich und geistig noch fit fürs Autofahren sind, sich dabei aber unsicher fühlen, so ist ein Fahrertraining zu empfehlen. Nur keine Scheu davor, der ADAC bietet sogar ein Fahrertraining speziell für Senioren an. Dort lernen Sie, Gefahrensituationen besser einzuschätzen, in Stresssituationen und bei Notmanövern richtig zu reagieren und Abstände korrekt abzuwägen. Danach werden Sie sich wieder besser gewappnet für den Straßenverkehr fühlen.

Welche alternativen Mobilitätskonzepte gibt es?

Auch wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass es für Sie besser ist, ihren Führerschein abzugeben, so gibt es dennoch einige Möglichkeiten, wie Sie mobil bleiben können.

1. öffentliche Verkehrsmittel

Gerade in der Stadt sollten Sie kein Problem haben, auf öffentliche Nahverkehrsmittel umzusteigen. Vielleicht ist es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, auf die Abfahrzeiten von Bussen, Zügen oder Straßenbahnen angewiesen zu sein. Aber Sie werden schnell feststellen, dass das Fahren mit Nahverkehrsmittel stressfreier als Autofahren ist. Sie müssen keinen Parkplatz suchen, Sie gelangen oft näher an die gewünschten Orte als mit dem PKW und können während der Fahrt den Ausblick genießen oder andere Leute beobachten. Aber auch mit der deutschen Bahn, bei der viele Züge für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ausgestattet sind, kommen Sie bequem quer durch Deutschland.

2. selbstorganisierte Mobilität

Anders gestaltet sich dies leider oft im ländlichen Raum, wo der Nahverkehr nicht so gut ausgebaut ist. Doch einige Gemeinden haben sich selbst geholfen und Eigeninitiativen ergriffen. Manche Kommunen organisieren Bürgerbusse, bei denen ehrenamtliche Fahrer mit Kleinbussen abgelegene Dörfer abfahren, wo sonst kein oder selten ein Bus fährt. Auch Rufbusse, die bei Bedarf flexibel fahren, sind eine gute Alternative zu den genau nach Zeitplan fahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln.



Eine weitere Möglichkeit ist das Nutzen von Mitfahrgelegenheiten. Die bekannteste Plattform dazu ist blablacar. Fahrer und Mitfahrer müssen sich auf der Homepage registrieren und für bestimmte Strecken wird eine bestimmte Pauschale gezahlt. Allerdings findet man meistens nur Angebote für eine Mitnahme zwischen größeren Städten. Für den ländlichen Bereich sind da regionale Mitfahrgelegenheiten, von Dorf zu Dorf, der bessere Weg. Es gibt bereits zahlreiche Beispiele, wie sich Mitfahrgelegenheiten regional organisieren: teilweise über Apps, über Homepages oder mit Kennzeichnung an Haltestellen und am Auto. Informieren Sie sich, wie es in ihrem Heimatort aussieht und ergreifen Sie zur Not auch selbst die Initiative!

3. Mobilitätshilfen für den Alltag

Für kürzere Strecken, die Sie zu Fuß gehen können, empfiehlt sich als Unterstützung Mobilitätshilfen wie ein Rollator oder Gehhilfen in verschiedener Form. Diese sind oft faltbar und somit auch im öffentlichen Nahverkehr transportierbar. Für Strecken in der näheren Umgebung bieten sich außerdem Mobilitätshilfen an. Je nach körperlicher Eingeschränktheit gibt es beispielsweise das Elektromobil für Senioren, welches für etwas längere Strecken nutzbar ist. Dabei handelt es sich um ein batteriebetriebenes Leichtfahrzeug. Der E-Scooter ist einfach zu lenken und fährt mit einer geringen Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Sie können sich also einfach hineinsetzen und losfahren. Die meisten Elektromobile sind für Privatgelände nutzbar, es gibt aber auch Modelle, die für den Straßenverkehr zugelassen sind. Sie überlegen sich, ein Elektromobil zuzulegen? Hier finden Sie kostenlose und unverbindliche Empfehlungen für Elektromobil Fachfirmen in Ihrer Nähe:

4. Autonomes Fahren

Was aktuell noch Zukunftsmusik ist, aber dennoch bald Realität werden könnte, sind sogenannte autonome Autos. Ein selbstfahrendes Kraftfahrzeug, wie es auch genannt wird, ist ein Auto, welches ohne Einfluss eines menschlichen Fahrers steuern, fahren und einparken kann. Man muss sich also nur noch ins Auto setzen und bestimmen, wo es hingehen soll, den Rest übernimmt das autonome Auto. Für einen Senioren, der Probleme mit dem Autofahren im Alter hat, ist dies eigentlich eine ideale Lösung. Doch erstens sind autonome Autos noch nicht auf dem Markt, weil die Technologien noch nicht ausgereift sind. Und zweitens ist es fraglich, ob wir uns komplett einer Maschine anvertrauen wollen und beim Fahren den Kopf ausschalten wollen. Schließlich können auch Technologien versagen. Doch dies wird uns erst die Zukunft zeigen.

Problem Mobilität im Alter bleibt bestehen

Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Mobilität im Alter ein großes Problem, vor allem im ländlichen Bereich. Senioren, die nicht mehr Auto fahren können, haben einen Teil ihrer Unabhängigkeit verloren und sind nun von anderen Menschen oder dem öffentlichen Nahverkehr abhängig. Dass vielen Menschen das schwerfällt und sie nur ungerne ihren Führerschein abgeben, ist nachvollziehbar. Viele Menschen fahren trotz Eingeschränktheit Auto und riskieren damit sich selbst und andere, weil sie keine andere Lösung sehen. Damit mehr Menschen, die körperlich beeinträchtigt sind und nicht mehr Auto fahren sollten, ihren Führerschein auch freiwillig abgeben, sollten die öffentlichen Nahverkehrsmittel und weitere Möglichkeiten der Mobilität ausgebaut werden.

Für Senioren wird eine eingeschränkte Mobilität zunehmend zum Problem.

Wer im Alter nicht mehr in der Lage ist, selbst Auto zu fahren, für den wird Mobilität zum Problem. Bildquelle: Vielen Dank an voffka1966 für das Bild (©voffka1966/www.pexels.com)

Fazit
Autofahren im Alter kann durchaus ein Problem darstellen, weil sich unserer Sinne, Beweglichkeit und unser Reaktionsvermögen mit dem Altern verschlechtern. Dadurch können wir im Straßenverkehr schlechter reagieren, das Risiko eines Unfalles ist erhöht. Doch wir können nicht pauschal beurteilen, wann jemand nicht mehr in der Lage ist, Auto zu fahren. Regelmäßige Test beim Arzt helfen ihnen, dies einzuschätzen, damit Sie keine Gefahr für sich und andere darstellen.

Sich einzugestehen, dass man sich nicht mehr ans Steuer setzten sollte, ist ein schwieriger Prozess. Auch wenn es alternative Mobilitätskonzepte gibt, so fühlen sich doch viele Senioren ohne Auto eingeschränkt. Es zeichnet sich hier aber auch ein gesellschaftliches Problem ab. Unsere Gesellschaft wird immer älter, und doch wird sich immer weniger um unsere Senioren gekümmert. Gerade körperliche eingeschränkte Senioren bleiben hierbei auf der Strecke. Dies ist ein dringendes Problem, worauf wir in Zukunft Lösungsstrategie finden müssen.

Bildquelle Titelbild: Vielen Dank an Bogdan Emelyanov für das Bild (©Bodgan Emelyanov/www.pexels.com)

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